Orte der Repression

Isolation Hunger Geheimdienst MfS Schlafentzug Ausreise Hinrichtung Flucht Willkür

Potsdam, Lindenstraße

placeholder9
„Lindenhotel" nennen die Potsdamer zynisch die Untersuchungshaftanstalt in der Lindenstraße 54/55.
placeholder9
Für die Akten werden von den Inhaftierten Erkennungsfotos gemacht. Viele empfinden diese Prozedur als kriminalisierend und demütigend.
placeholder9
Isoliert und überwacht warten die Gefangenen auf ihren Prozess.
placeholder9
Sowjetische Militärtribunale (SMT) verurteilen Tausende zu Haft, Zwangsarbeit, Deportation oder Tod.

Das „Lindenhotel": An Erholung erinnert in der Potsdamer Lindenstraße nichts. Angst und Schrecken schlagen im Volksmund in eine zynischen Bezeichnung für das Gebäude um, in dem jahrzehntelang Menschen entrechtet, gedemütigt und gefoltert werden.

Das Gebäude in der Lindenstraße 54/55 in Potsdam wird ab 1952 als Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) genutzt.

Im 18. Jahrhundert als Wohnhaus errichtet, hat das barocke Stadtpalais eine wechselvolle Geschichte: Preußisches Kommandantenhaus, Sitz des ersten Potsdamer Stadtparlaments und schließlich Gerichtsgebäude und Gefängnis. Die Nationalsozialisten inhaftieren hier Zwangsarbeiter und Mitglieder von Widerstandsgruppen. Zugleich werden Tausende vom ansässigen Erbgesundheitsgericht zur Zwangssterilisation verurteilt. 1945 übernimmt die sowjetische Besatzungsmacht den Gebäudekomplex und richtet hier ihr Untersuchungsgefängnis für das Land Brandenburg ein. Neben Personen, denen Mittäterschaft an den Verbrechen der Nationalsozialisten vorgeworfen wird, inhaftiert der sowjetische Geheimdienst vermehrt Menschen, die sich dem Aufbau einer kommunistischen Diktatur entgegenstellen und Widerstand leisten. Sowjetische Militärtribunale (SMT) verurteilen sie zu langen Haftstrafen oder zum Tod. 1952 übernimmt die Staatssicherheit das Gebäude als zentrale Untersuchungshaftanstalt des Bezirks Potsdam. Bis 1989 leiden annähernd 7.000 Frauen und Männer, der größte Teil von ihnen aus politischen Gründen, unter den entwürdigenden Haftbedingungen und brutalen Verhörmethoden des MfS.

 
mehr
Besucherinformation
 
Deutsche Demokratische Republik (DDR) Sowjetische Besatzungszone (SBZ) SBZ/DDR
Berlin Rostock Leipzig Chemnitz Sachsenhausen Dresden, Münchner Platz Brandenburg-Görden Cottbus Untersuchungshaftanstalt Waldheim Berlin, Normannenstraße Dresden, Bautzner Straße Potsdam, Lindenstraße Cottbus Strafvollzugsanstalt Weesow Mühlberg Berlin, „Tränenpalast“ Bützow Frankfurt/Oder Magdeburg Bautzen Leipzig, Hinrichtungsstätte Schwerin, Demmlerplatz Berlin, Checkpoint Charlie Gera, Amthordurchgang Fünfeichen Berlin, Magdalenenstraße Jamlitz Schwedt Buchenwald Marienborn Hoheneck Mödlareuth Leipzig, Runde Ecke Berlin, Bernauer Straße Suhl Potsdam, Leistikowstraße Neubrandenburg Erfurt, Andreasstraße Eichsfeld Neustrelitz Halle, Roter Ochse Torgau, Jugendwerkhof Rostock Ketschendorf Berlin-Pankow Berlin-Hohenschönhausen Torgau, DIZ Berlin-Rummelsburg Berlin-Marienfelde

"Die Todesstrafe wird mittels Fallbeil in einem umschlossenen Raum vollzogen."

Im Gebäude des Landgerichts am Münchner Platz in Dresden werden ab Mai 1952 bis Dezember 1956 nachweislich 66 zum Tode Verurteilte mit dem Fallbeil hingerichtet. Die Hälfte davon sind Opfer der politischen Strafjustiz.

Historischer Ort
schliessen
 
Seite drucken
Bildnachweis