Orte der Repression

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Fünfeichen

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Pastor Bartelt notiert regelmäßig seine Hafterfahrungen. Das Tagebuch wird von einem Mithäftling aus dem Lager geschmuggelt und gelangt so zu Wilhelm Bartelts Ehefrau. Erst Jahrzehnte später erfährt die Tochter, dass ihr Vater im August 1947 im Speziallager gestorben ist.
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Die sowjetische Besatzungsmacht fotografiert selbst das Lager. Mehr als 4.900 Inhaftierte kommen in Fünfeichen ums Leben.
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Fünf Eichen und ein Wachturm: Obwohl Freundschaften unter den Gefangenen verboten sind, schenken die Mithäftlinge Fritz Henning eine selbst gebastelte Karte zum Geburtstag. Mit Zeichnen und Schreiben  –  ebenfalls verboten  –  beschäftigen sich die Internierten.
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1993 wird die Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen eröffnet, wo auf 59 Bronzetafeln der Opfer des Kriegsgefangenen- und des Speziallagers gedacht wird.

„Ich sehr schwach, befürchte Kollaps." Pastor Wilhelm Bartelt schreibt im Speziallager Fünfeichen gegen seine Angst an. Auf jedem erdenklichen Fetzen Papier  –  Lieferscheinen, alten Kalenderblättern, Rechnungen  –  notiert er sorgfältig sechs Monate lang alle Einzelheiten des Lageralltags.

Das sowjetische Speziallager Nr. 9 befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Landgutes Fünfeichen bei Neubrandenburg.

Die Nationalsozialisten errichten hier 1939 ein Kriegsgefangenenlager. Im Mai 1945 übernimmt der sowjetische Geheimdienst NKWD das Lager, etwa 15.400 Menschen werden inhaftiert. Durch Hunger und katastrophale hygienische Bedingungen sterben bis zur Auflösung der Einrichtung im Januar 1949 mehr als 4.900 Inhaftierte. Um Kontakte der Häftling untereinander zu unterbinden, ist das Lager in verschiedene Zonen eingeteilt. Das Nordlager ist mit einer Mauer und elektrisch geladenem Stacheldraht hermetisch abgetrennt. Wie in den anderen sowjetischen Speziallagern sind auch in Fünfeichen die Häftlinge bis auf wenige Ausnahmen nicht verurteilt, sondern werden willkürlich festgehalten. Etwa zwanzig Prozent der Inhaftierten sind Jugendliche. Anders als in anderen Speziallagern dürfen viele der Internierten arbeiten. Sie werden auch außerhalb des Lagers in der Landwirtschaft eingesetzt.
1959/60 wird in der DDR eine Erinnerungsstätte für die Opfer des Kriegsgefangenenlagers eingerichtet, jedoch nie eröffnet. Die Nationale Volksarmee (NVA) nutzt das Gelände bis 1989 als Übungsplatz. Im April 1993 wird die Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen eröffnet, wo auf 59 Bronzetafeln auch der Opfer des sowjetischen Speziallagers gedacht wird.

 
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"Hinrichten, wenn notwendig auch ohne Gerichtsurteil.“

In der zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in der Leipziger Alfred-Kästner-Straße werden zum Tode Verurteilte seit 1968 durch den "unerwarteten Nahschuss in das Hinterhaupt" hingerichtet.

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