Orte der Repression

Isolation Hunger Geheimdienst MfS Schlafentzug Ausreise Hinrichtung Flucht Willkür

Das Projekt

Zielsetzung



Das Internetportal "Orte der Repression in SBZ und DDR" fasst Gedenkstätten, Museen und historische Orte zusammen, die an Opfer und Leiden infolge repressiver Herrschaftsausübung in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erinnern.
Es bietet sowohl einen Überblick über die historischen Orte der kommunistischen Repression, als auch über die aktuellen Aktivitäten des Gedenkens und Erinnerns. Ziel ist es, die Geschichte dieser Orte einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. In der Diktatur tabuisiert, soll die Auseinandersetzung mit den Schicksalen der verfolgten Menschen zu einem tieferen Verständnis des demokratischen Freiheitsbegriffes führen.
Das Portal ist ein abgeschlossenes Projekt der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Erstellt wurde es auf Initiative und mit Finanzierung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


Erinnerungsorte



www.orte-der-repression.de ist ein Internetportal für Orte, die Schauplatz von politisch motivierter Haft und Unterdrückung waren. Damit konzentriert sich dieses Projekt auf reale historische Erinnerungsorte, weniger auf die wesentlich weiter gefassten, auch symbolisch aufgeladenen "Kristallisationskerne des […] kollektiven Gedächtnisses", wie dies Etienne François und Hagen Schulz in ihrer Zusammenstellung "Deutscher Erinnerungsorte" (Schulze/ François: Deutsche Erinnerungsorte, Bonn 2005, S. 8) in Anlehnung an das Konzept der lieux de mémoire von Pierre Nora (Nora: Les Lieux de mémoire, Paris 1984-1992) tun. Hier sind nicht nur der Reichstag oder der Palast der Republik Erinnerungsorte, sondern auch Goethe und Marx, der Schrebergarten und die Fußball-Bundesliga.
Ähnliche "Kristallisationskerne" findet man zwar auch unter den "Orten der Repression" - so steht etwa "Bautzen" nicht nur für die in der sächsischen Kleinstadt tatsächlich lokalisierte Strafvollzugsanstalt Bautzen I und/oder das MfS-Gefängnis Bautzen II, sondern darüber hinaus nahezu symbolhaft für das repressive Strafsystem in der DDR. Dennoch ist es Aufgabe dieses Projektes, die Geschichte der realen Orte abzubilden und in den Kontext des gesamten staatlichen Repressionsystems einzubinden.


Repression



Der Begriff Repression wird im Rahmen dieses Projektes in einem engeren Sinn als politische Haft sowohl in der SBZ als auch in der DDR definiert. Ergänzt wird dieser Kernbereich um Themen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Definition stehen: Grenze und Flucht sowie das Militärsystem. Andere Maßnahmen des Staatsapparates zur Unterdrückung der Bevölkerung, die noch stärker auf eine systematische Durchdringung des Alltags ausgerichtet waren - etwa die aktive Diskreditierung und Isolation Andersdenkender, die bewusste Zerstörung des Berufs- oder Privatlebens - werden im Rahmen dieses Projektes nur am Rande berücksichtigt, da sie selten mit realen Orten in Bezug gesetzt werden können.
"Orte der Repression" folgt damit Karl Wilhelm Frickes Definition von politischer Haft, nach der "der Tatbestand einer politischen Verfolgung […] überall gegeben [ist], wo Menschen nach dem 8. Mai 1945 im sowjetischen Besatzungsgebiet Deutschlands und später in der Deutschen Demokratischen Republik wegen ihrer Gesinnung und ihrem sich daraus ergebenden Verhalten, wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht oder Klasse oder wegen ihrer politisch oder religiös begründeten Gegnerschaft zur KPD/SED in Haft genommen oder verurteilt wurden." (Fricke: Politik und Justiz in der DDR, Köln 1990, S. 8.)
Ausschlaggebend ist demnach nicht die persönliche Motivlage des Einzelnen, sondern die systematische staatliche Vorgehensweise gegenüber Andersdenkenden. Weitere Informationen zu politischer Haft und staatlicher Repression finden sich unter "Politische Repression".


Auswahl der Orte



Die Auswahl der aufgenommenen Orte orientiert sich an den oben genannten konzeptionellen Kriterien.
Die insgesamt 46 Einrichtungen teilen sich in acht inhaltliche Kategorien auf. Mehrfache Zuordnungen einzelner Einrichtungen werden dabei berücksichtigt:


Einrichtungen der Besatzungsmacht (ohne Speziallager)
Grenzorte
Hinrichtungsstätten
Sonstige (Jugendwerkhof, Militärgefängnis)
Sowjetische Speziallager
Standorte des MfS
Strafvollzugsanstalten
Untersuchungshaftanstalten


Vollzählig enthalten sind die sowjetischen Speziallager und die Hauptuntersuchungshaftanstalten des MfS in den Bezirken – Orte, die der Definition von Repression als politische Haft am deutlichsten entsprechen. In anderen Bereichen stehen einzelne Einrichtungen stellvertretend für eine Vielzahl ähnlicher Orte, die aus inhaltlichen oder formalen Gründen nicht alle aufgenommen werden können. So repräsentiert etwa die "Gedenk- und Begegnungsstätte ehem. KGB-Gefängnis Leistikowstr. 1" (Potsdam) die unüberschaubare Vielzahl von sowjetischen Gefängnissen in der gesamten Besatzungszone, im Volksmund "GPU-Keller" genannt.
Ähnliches gilt für den Bereich der Heimerziehung. Zwar ist dieses Thema durch die Forschung gut aufbereitet, eine Aufnahme aller Jugendwerkhöfe in dieses Portal ist aber nicht möglich. Daher steht die "Erinnerungs- und Begegnungsstätte im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau" beispielhaft für den repressiven Charakter des staatlichen Erziehungssystems.
Auch die Einrichtungen des Strafvollzugs in der DDR sind nicht umfassend aufgeführt. Orte, wie etwa das Zuchthaus Waldheim ("Waldheimer Prozesse") und das Gefängnis Bützow-Dreibergen ("Aktion Rose"), die mit prägnanten Ereignissen verbunden, oder wie das Frauengefängnis Hoheneck, im kollektiven Gedächtnis verhaftet sind, dienen als Beispiele für den Strafvollzug.
Erweitert werden diese Themen um Einrichtungen des Militärs (Militärgefängnis Schwedt) und der Grenzsicherung. Das Thema Grenze/Flucht umfasst dabei alle Aspekte der Teilung: Berliner Mauer, innerdeutsche Grenze, Flucht/Ausreise, Grenzverkehr.


Präsentation



Grundprinzip des Portals ist es, Basisinformationen über die Orte des Gedenkens an staatliche Repression zu vermitteln. Mit aussagekräftigen und museumsspezifischen Inhalten wie Objekten, Fotos, Zeitzeugenvideos oder -audios wird ein anschaulicher Zugang zur Thematik gegeben. Zudem bietet das Portal Hinweise für Besuche der Einrichtungen.
Ergänzt werden diese Inhalte um vertiefende Erläuterungen sowie weiterführende Literaturangaben zum System der Repression und des Strafvollzugs in der SBZ und der DDR.
Es ist nicht Aufgabe des Portals, die vollständige Geschichte eines Ortes abzubilden. Vielmehr wird ein Eindruck von der Bedeutung des Ortes geboten. Tiefergehende Informationen sind durch eine Verlinkung auf die Homepage der jeweiligen Gedenkeinrichtungen angebunden.
ZielsetzungErinnerungsorteRepressionAuswahl der OrtePräsentation
 
Deutsche Demokratische Republik (DDR) Sowjetische Besatzungszone (SBZ) SBZ/DDR
Berlin Rostock Leipzig Frankfurt/Oder Berlin, Magdalenenstraße Hoheneck Dresden, Münchner Platz Cottbus Untersuchungshaftanstalt Torgau, DIZ Berlin, „Tränenpalast“ Bützow Erfurt, Andreasstraße Ketschendorf Brandenburg-Görden Leipzig, Runde Ecke Waldheim Berlin, Checkpoint Charlie Bautzen Marienborn Neustrelitz Berlin, Bernauer Straße Leipzig, Hinrichtungsstätte Mühlberg Weesow Berlin, Normannenstraße Halle, Roter Ochse Cottbus Strafvollzugsanstalt Berlin-Rummelsburg Magdeburg Dresden, Bautzner Straße Neubrandenburg Rostock Buchenwald Berlin-Pankow Schwerin, Demmlerplatz Gera, Amthordurchgang Fünfeichen Berlin-Hohenschönhausen Mödlareuth Suhl Jamlitz Eichsfeld Torgau, Jugendwerkhof Schwedt Chemnitz Potsdam, Leistikowstraße Sachsenhausen Potsdam, Lindenstraße Berlin-Marienfelde

"Isolation, Desinformation, permanente Kontrolle"

In der Potsdamer MfS-Untersuchungshaftanstalt in der Lindenstraße 54/55 sind die Inhaftierten menschenunwürdigen Haftbedingungen schutzlos ausgesetzt.

Historischer Ort
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