Orte der Repression

Isolation Hunger Geheimdienst MfS Schlafentzug Ausreise Hinrichtung Flucht Willkür

Waldheim

placeholder9
1950 kommen über 3.324 Gefangene aus den aufgelösten sowjetischen Speziallagern nach Waldheim. Hier werden sie vor Gericht gestellt.
placeholder9
In dem ehemaligen Frauenzuchthaus Waldheim, außerhalb des Gefängnishofes gelegen, beginnen am 26. April 1950 die Prozesse gegen Internierte der aufgelösten Speziallager.
placeholder9
Mitten im Ort liegt die Strafvollzugsanstalt Waldheim.

„[...] hat es einen Sinn, sie ganz im wildesten Stil des Nazismus und seiner Volksgerichte […] aburteilen zu lassen und damit der nichtkommunistischen Welt ein Blutschauspiel zu geben, das ein Ansporn ist zu allem Hass?" fragt der Schriftsteller Thomas Mann in einem Schreiben an den Generalsekretär der SED, Walter Ulbricht, nachdem die Vollstreckung der Todesstrafe an 24 Häftlingen im Gefängnis Waldheim öffentlich gemacht wurde.

In der Strafvollzugsanstalt Waldheim werden im Frühjahr 1950 3.324 Inhaftierte aus den aufgelösten sowjetischen Speziallagern Bautzen, Buchenwald und Sachsenhausen vor Gericht gestellt und in den so genannten „Waldheimer Prozessen" scheinbar regulär verurteilt.

Die ehemalige Burg- und Schlossanlage in Waldheim wird bereits seit 1716 als Strafanstalt genutzt. Unter den Nationalsozialisten sind fast die Hälfte der Insassen politische Gefangene. 1945 befreit die Rote Armee nahezu alle Häftlinge, 1947 wird aber wieder ein regulärer Gefängnisbetrieb aufgenommen. Im April 1950 beginnen die „Waldheimer Prozesse": Schnellverfahren vor Gericht ohne Rechtsbeistand für die Angeklagten. Richter und Staatsanwälte sind von der SED-Führung ausgesucht. Die von der sowjetischen Besatzungsmacht angegebenen Haftgründe werden nicht überprüft und gelten pauschal für ganze Personengruppen. Die Gefangenen gelten in der DDR-Propaganda als Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher. De facto jedoch sind die meisten kleinere Funktionsträger, Mitläufer, Opfer von Denunziationen oder Jugendliche. Den meisten von ihnen hätte nach rechtsstaatlichen Kriterien keine individuelle Schuld nachgewiesen werden können. Zum größten Teil werden hohe Freiheitsstrafen verhängt. Um den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren, werden zehn Angeklagte mit schwerwiegenden Fällen im Juni 1950 in öffentlichen Schauprozessen verurteilt.

 
mehr
Besucherinformation
 
Deutsche Demokratische Republik (DDR) Sowjetische Besatzungszone (SBZ) SBZ/DDR
Berlin Rostock Leipzig Berlin-Rummelsburg Ketschendorf Berlin-Pankow Potsdam, Lindenstraße Schwedt Neubrandenburg Fünfeichen Berlin, Normannenstraße Bautzen Leipzig, Hinrichtungsstätte Cottbus Untersuchungshaftanstalt Neustrelitz Mödlareuth Chemnitz Eichsfeld Berlin, Bernauer Straße Berlin, Checkpoint Charlie Dresden, Münchner Platz Mühlberg Sachsenhausen Leipzig, Runde Ecke Erfurt, Andreasstraße Halle, Roter Ochse Frankfurt/Oder Cottbus Strafvollzugsanstalt Torgau, DIZ Jamlitz Berlin, Magdalenenstraße Hoheneck Buchenwald Bützow Marienborn Weesow Magdeburg Berlin-Hohenschönhausen Torgau, Jugendwerkhof Suhl Waldheim Rostock Dresden, Bautzner Straße Brandenburg-Görden Berlin, „Tränenpalast“ Potsdam, Leistikowstraße Gera, Amthordurchgang Schwerin, Demmlerplatz Berlin-Marienfelde
Historisches Bild Bautzen

"Wer Bautzen hört, der denkt an Knast!"

Der Name der sächsischen Kleinstadt steht symbolisch für Unrecht und Unterdrückung in SBZ und DDR.

Historischer Ort
schliessen
 

Weiterempfehlen

Von:

An:

 
Kommentar:
 
 
Seite drucken
Bildnachweis