Orte der Repression

Isolation Hunger Geheimdienst MfS Schlafentzug Ausreise Hinrichtung Flucht Willkür

Leipzig, Hinrichtungsstätte

placeholder9
Totenbuch des Krematoriums: „Gert Trebeljahr, hingerichtet am 20.12.1979, Anatomie-"Abfall" am 10.12.1979 unter der Einäscherungsnummer 360634..."
placeholder9
Im Hinrichtungsraum werden die Verurteilten zunächst mit der Guillotine getötet, ab 1968 durch einen Schuss in den Hinterkopf.
placeholder9
Inmitten eines Wohnviertels liegt die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR. Die Anwohner ahnen nicht, was hinter den dicken Mauern geschieht.

„Anatomieleiche" oder „Abfall": So werden im Totenbuch des Krematoriums auf dem Leipziger Südfriedhof die Menschen bezeichnet, die in der Hinrichtungsstätte ihr Leben verloren. Sie werden eingeäschert und anonym bestattet. Erst sehr viel später erfahren die Angehörigen, wo der Ehepartner, das Elternteil begraben ist. Manche wissen es bis heute nicht.

Zwischen 1960 und 1981 wird ein Teil der Leipziger Strafvollzugseinrichtung in der Alfred-Kästner-Straße als zentrale Hinrichtungsstätte der DDR genutzt. Heutigen Erkenntnissen zufolge werden hier 64 Menschen getötet.

Nachdem Hinrichtungen in der DDR zunächst in Dresden am Münchner Platz vollstreckt wurden, werden sie ab 1960 nach Leipzig verlagert. Unauffällige Transporter fahren in den Hinterhof des Gefängniskomplexes, der mitten in einem belebten Leipziger Wohnviertel gelegen ist. Dass es sich hierbei um die Einfahrt zum Todestrakt handelt, ahnen weder die Bevölkerung noch die Gefangenen selbst. Erst kurz vor ihrer Hinrichtung erfahren die Verurteilten, was geschehen wird. Sie dürfen einen Abschiedsbrief schreiben, der ihre Angehörigen aber nie erreicht, sondern zu den Akten gelegt wird. Bis 1968 werden die Verurteilten enthauptet, danach per „unerwartetem Nahschuss in das Hinterhaupt" getötet. Dabei tritt der Henker unbemerkt von hinten an den Verurteilten heran und schießt. Die Leichen bringt man zur Einäscherung in das Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof, wo sie anonym beigesetzt werden.
Am 26. Juni 1981 wird das letzte bekannte Todesurteil in Leipzig vollstreckt. Werner Teske, Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), wird Landesverrat sowie Fahnen- und Republikflucht vorgeworden. Den  –  gefälschten  –  Sterbedokumenten zufolge erliegt er einem Herzversagen. Erst 1987 wird in der DDR die Todesstrafe offiziell abgeschafft.

 
mehr
Besucherinformation
 
Deutsche Demokratische Republik (DDR) Sowjetische Besatzungszone (SBZ) SBZ/DDR
Berlin Rostock Leipzig Suhl Erfurt, Andreasstraße Berlin, Normannenstraße Berlin, Checkpoint Charlie Potsdam, Leistikowstraße Dresden, Münchner Platz Neubrandenburg Mühlberg Bautzen Brandenburg-Görden Mödlareuth Waldheim Weesow Schwedt Sachsenhausen Ketschendorf Cottbus Strafvollzugsanstalt Neustrelitz Chemnitz Erinnerungsort Torgau Justizunrecht - Diktatur - Widerstand Leipzig, Runde Ecke Jamlitz Berlin-Pankow Cottbus Untersuchungshaftanstalt Fünfeichen Frankfurt/Oder Magdeburg Hoheneck Schwerin, Demmlerplatz Dresden, Bautzner Straße Torgau, Jugendwerkhof Berlin-Rummelsburg Berlin, „Tränenpalast“ Potsdam, Lindenstraße Bützow Berlin-Hohenschönhausen Halle, Roter Ochse Rostock Gera, Amthordurchgang Buchenwald Berlin, Magdalenenstraße Berlin, Bernauer Straße Eichsfeld Leipzig, Hinrichtungsstätte Marienborn Berlin-Marienfelde

"Ein Lächeln hätte auch das Lächeln des Verrats sein können."

Die in der Strafvollzugsanstalt Hoheneck aus politischen Gründen inhaftierten Frauen sind den Schikanen ihrer Mitgefangenen und der Willkür des Wachpersonals ausgesetzt.

Historischer Ort
schliessen
 
Seite drucken
Bildnachweis