Orte der Repression

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Ketschendorf

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Letzter Weg ins „Wäldchen": Mehr als 4.600 Menschen sterben im Speziallager in Ketschendorf.
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Ursula Fischer (*1925) kommt 1945 ins Speziallager Ketschendorf. Sie wurde vom Bürgermeister des Nachbarortes ohne Angabe von Gründen auf eine Liste gesetzt. Die junge Frau sollte Personen aus ihrem Ort nennen, die Mitglieder der NSDAP gewesen waren.
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Ein Tor riegelt die ehemalige Wohnsiedlung der „Deutschen Kabelwerke" ab. Auf engstem Raum werden Tausende in dem Speziallager zusammengepfercht.
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„Blauer Heinrich" nennen die Internierten die bläulich schimmernde Wassersuppe. Das Geschirr müssen sie sich teilen.

Im „Wäldchen" hinter dem Lagergelände werden 4.621 Menschen in Massengräbern verscharrt. Sie haben die drangvolle Enge, den Hunger, die körperlichen und seelischen Leiden im Speziallager Ketschendorf nicht überlebt.

Das sowjetische Speziallager Nr. 5 Ketschendorf wird von der sowjetischen Besatzungsmacht bereits Ende April 1945  –  noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs  –  auf dem Gelände der ehemaligen Arbeitersiedlung der Deutschen Kabelwerke eingerichtet.

Die Gefangenen leben dicht gedrängt. Ursprünglich für 500 Bewohner erbaut, hausen bis zu 10.400 Männer, Frauen und auch Kinder gleichzeitig in den leer geräumten ehemaligen Wohnhäusern. Durch die unerträgliche Enge, die völlig unzureichende Ernährung und die schlechten hygienischen Verhältnisse erkranken die Häftlinge extrem schnell, Tausende sterben. Die Überlebenden werden bis Mai 1947 in die Speziallager Sachsenhausen, Fünfeichen, Mühlberg, Jamlitz und Buchenwald verlegt, 315 noch Arbeitsfähige nach Sibirien deportiert. 1952/53 werden im Bereich der Massengräber neue Wohnhäuser errichtet. Jede Erinnerung an das Lager soll buchstäblich zugeschüttet werden. Unter Kontrolle der Staatssicherheit exhumiert eine Spezialfirma die Toten. Auf dem Waldfriedhof in Halbe ist bereits eine Grabstätte für die Toten eingerichtet, die im April 1945 bei der Schlacht um Halbe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht gestorben sind. Die Toten des Speziallagers werden hier beigesetzt, Tafeln weisen sie aus als „Unbekannt, verstorben im April 1945". Heute erinnern dort Steintafeln mit 4.621 Namen an ihr Schicksal. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Ketschendorf (heute Fürstenwald-Süd) erinnert eine Gedenkstätte an das Lager und seine Opfer.

 
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"Die Isolierung war perfekt."

Im MfS-Untersuchungsgefängnis Suhl bekommen die Häftlinge auch beim Freigang niemals andere Mitgefangene als ihre Zellengenossen zu Gesicht.

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