Orte der Repression

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Schwedt

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Tag und Nacht sind die Häftlinge willkürlichen Kontrollen ausgesetzt.
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Karge Zellen sind Teil der Bestrafung im Gefängnis der Nationalen Volksarmee (NVA).

Tabuthema Schwedt: Bis heute schweigen die meisten Insassen und Wächter, es gibt sehr wenig wissenschaftliche Forschung zur Geschichte des Ortes und selbst viele Einwohner Schwedts wissen nicht genau, was den Soldaten in dem hermetisch abgeriegelten Militärgefängnis widerfuhr.

In Schwedt wird 1968 das einzige Militärgefängnis der DDR eingerichtet.

Das Ministerium des Innern (MdI) stellt der Nationalen Volksarmee (NVA) ein Barackenlager für die Arbeiter des Erdölverarbeitungswerkes Schwedt zu Verfügung. Hierher kommen Militärangehörige, die durch ein Militärgericht verurteilt worden sind. Haftgründe sind Diebstahl und Körperverletzung, aber auch politische Vergehen oder Verstöße wie unerlaubtes Entfernen von der Truppe, Fahnenflucht und Befehlsverweigerung. Die Haftdauer beträgt maximal zwei Jahre. Ab 1982 gibt es zudem eine Disziplinarkompanie, in der Soldaten und Unteroffiziere ohne Urteil bis zu drei Monaten einsitzen. Eingewiesen werden sie von den Kommandeuren ihrer Truppe  –  häufig willkürlich. Für die Disziplinarbestraften herrschen strenge Regeln, die Möglichkeit, mit Angehörigen in Verbindung, ist rigoros eingeschränkt. Zudem müssen sie die in Schwedt verbrachte Zeit in der NVA nachdienen. Ziel beider Strafeinheiten ist es, die Gefangenen im Sinne des Staates „umzuerziehen". Der Willkür der Offiziere ausgesetzt, müssen die Häftlinge gefürchtete „Doppelschichten" leisten: acht Stunden harte Arbeit, gefolgt von stundenlangem militärischen Drill. 1990 wird das Gefängnis aufgelöst. Bis heute ist die Geschichte dieses Ortes nur bruchstückhaft dokumentiert, die meisten Aufzeichnungen wurden noch zu DDR-Zeiten vernichtet. Genaue Gefangenenzahlen sind nicht bekannt, zwischen November 1982 und Ende 1989 sollen etwa 3.200 Militärangehörige in Schwedt inhaftiert gewesen sein.

 
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"Hinrichten, wenn notwendig auch ohne Gerichtsurteil.“

In der zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in der Leipziger Alfred-Kästner-Straße werden zum Tode Verurteilte seit 1968 durch den "unerwarteten Nahschuss in das Hinterhaupt" hingerichtet.

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